Green Bonds: Bund bereitet Emission der ersten grünen Eidgenössischen Anleihe vor

17.08.2022

Bereits diesen Herbst soll die erste grüne Eidgenössische Anleihe ausgegeben werden. Was sind solche «Green Bonds» eigentlich und wie hat sich dieser Markt von grünen Anleihen entwickelt? Eine Einordnung zum Thema.

Was ist eine Eidgenössische Anleihe?

Die Bruttoschulden des Bundes betrugen per Ende 2021 knapp 110 Milliarden Franken. Der grösste Teil dieser Schulden machten mit rund 70 Milliarden Franken die sogenannten Eidgenössischen Anleihen aus. Mit diesen Schuldpapieren mit bis zu 50 Jahren Laufzeit nimmt der Bund Geld am Kapitalmarkt auf.

Und was sind Green Bonds?

Ein Emittent kann mit grünen Anleihen wie mit den konventionellen Anleihen am Kapitalmarkt Geld aufnehmen. Green Bonds sind künftig ein spezifischer Teil der Bundesanleihen und diversifizieren die Finanzierungsinstrumente des Bundes. Das mit grünen Anleihen aufgenommene Geld kann nicht frei verwendet werden, sondern darf ausschliesslich Projekten zugeordnet werden, die positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. Diese finden sich schwergewichtig im Bereich des öffentlichen Verkehrs, der Biodiversität, der internationalen Zusammenarbeit und der Forschung.

Führen Green Bonds zu höheren Umweltausgaben?

Green Bonds führen nicht automatisch zu mehr Umweltausgaben, da es sich nur um ein Finanzierungsinstrument handelt. Für höhere Umweltausgaben muss das Parlament zusätzliche grüne Ausgaben beschliessen. Mit dem Instrument der grünen Anleihen soll die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz gefördert, die Anwendung internationaler Standards in der Schweiz gestärkt und die Ausgabe grüner Anleihen durch privater Akteure gefördert werden.

Wie hoch wird das Emissionsvolumen sein?

Pro Jahr wird ein Emissionsvolumen von einigen hundert Millionen angestrebt. Das neue Finanzierungsinstrument ermöglicht die Zuordnung zu grünen Ausgaben, die durch das Parlament bereits bewilligt worden sind. Eine Analyse des Bundeshaushalts auf Basis der Staatsrechnung 2021 hat grüne Ausgaben im Umfang von rund 4,5 Milliarden Franken identifiziert. Diese finden sich schwergewichtig im Bereich des öffentlichen Verkehrs, der Biodiversität, der internationalen Zusammenarbeit und der Forschung. Da die verfügbaren grünen Ausgaben das längerfristige Emissionsvolumen der Eidgenossenschaft übersteigen und gleichzeitig auch weiterhin konventionelle Anleihen emittiert werden sollen, wird nur ein Teil der grünen Ausgaben den grünen Eidgenössischen Anleihen zugeordnet.

Wie hat sich der Green-Bond-Markt entwickelt?

Der Markt für grüne Anleihen ist sowohl in der Schweiz als auch international noch relativ klein, ist in den letzten Jahren aber stark gewachsen. Green Bonds wurden erstmals im Jahr 2007 emittiert, haben sich aber erst in den letzten Jahren etabliert. Bis Ende 2021 wurden weltweit kumuliert über alle Jahre insgesamt grüne Anleihen von rund 1’400 Milliarden US-Dollar herausgegeben. Das klingt nach viel, ist aber im Vergleich zu dem gesamten am Kapitalmarkt ausstehenden Anleihevolumen ein Nischenprodukt. Rund 14 Prozent aller Emissionen entfielen im genannten Zeitraum auf Staaten. Staaten nehmen bei der Herausgabe von grünen Anleihen also eine wichtige Rolle ein.

Welche anderen Länder geben Green Bonds heraus?

In Europa haben bereits viele Staaten Green Bonds emittiert. Frankreich, Deutschland und England waren dabei besonders aktiv. Die EU-Kommission hat zudem angekündigt, dass rund ein Drittel des 750 Milliarden Euro umfassenden «Next Generation EU»-Programms mittels Green Bonds finanziert werden soll und hat bereits grüne Anleihen emittiert. Vom globalen Referenzemittent USA sind bisher keine Absichten zu einer staatlichen Green-Bond-Emission bekannt. Insgesamt entfällt bei den Emissionen von Staaten bislang jedoch nur ein sehr kleiner Teil auf Green Bonds.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Auf dem Schweizer Kapitalmarkt haben Emittenten Green Bonds im Umfang von insgesamt knapp 11 Milliarden Franken ausstehend. Das entspricht 1,9 Prozent des gesamten Schweizer Kapitalmarktes. Die grünen Papiere wurden bisher vor allem von Banken und Versicherungen herausgegeben. Zudem waren auch die Kantone Basel-Stadt und Genf am Markt aktiv.

Wann wird die erste grüne Anleihe herausgegeben? Wie viel wird sie kosten?

Die Eidgenössische Finanzverwaltung plant, die erste grüne Anleihe im Herbst 2022 zu emittieren. Die genauen Spezifikationen der Erstemission (Volumen, Laufzeit, Coupon und Rendite) sind abhängig vom Finanzierungsbedarf des Bundes und den zum Zeitpunkt der Emission vorherrschenden Marktbedingungen.

Wer kann eine solche Grüne Anleihe kaufen?

Die meisten aktuellen Gläubiger des Bundes sind institutionelle Anleger aus dem Inland, also Versicherungen, Pensionskassen und Banken. Wer eine Eidgenössische Anleihe zeichnen will, kann dies ab einer Mindeststückelung von 1'000 Franken über seine Hausbank in Auftrag geben.

Wie wurden diese Green Bonds erarbeitet? Was ist die Grundlage?

Das vom Bundesrat an seiner Sitzung vom 17. August 2022 verabschiedete Rahmenwerk bildet die Grundlage, um künftig grüne Eidgenössische Anleihen auszugeben. Es zeigt auf, wie die Anleihen in die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes eingebunden werden, welche grünen Ausgaben aus dem Bundeshaushalt den grünen Eidgenössischen Anleihen zugeordnet werden können und wie über diese Ausgaben Bericht erstattet wird. Der Bund hat sich bei der Erarbeitung des Rahmenwerks an den Green Bond Principles (GBP) der International Capital Market Association orientiert, die international als Marktstandard gelten. Das Rahmenwerk wurde einer externen Evaluation unterzogen und zertifiziert.

Letzte Änderung 24.08.2022

Zum Seitenanfang