Wie wirken sich Coronakrise und Alterung langfristig auf die Gesundheitsausgaben aus?

26.07.2022

Das Working Paper der Eidgenössischen Finanzverwaltung legt dar, wie sich die Coronakrise und die voranschreitende Alterung der Bevölkerung bis 2050 auf die öffentlichen Gesundheitsausgaben und die obligatorische Krankenversicherung auswirken. Die Projektionen vertiefen die Langfristperspektiven vom November 2021 und zeigen den wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf im Gesundheitswesen auf.

Das Working Paper «Ausgabenprojektionen für das Gesundheitswesen bis 2050: Alterung und Coronakrise» zeigt, dass die Alterung der Bevölkerung bis ins Jahr 2050 einen anhaltenden und wachsenden Druck auf die öffentlichen Haushalte und die obligatorische Krankenpflegeversicherung ausübt. 1990 beliefen sich in der Schweiz die gesamten Gesundheitsausgaben auf 7,6 % des Bruttoinlandprodukts (BIP), im Jahr 2019 waren es bereits 11,3 % des BIP. Gemäss Referenzszenario dieser Projektionen steigen die Gesundheitsausgaben bis 2050 weiter auf 15 % des BIP an. Neben dem Ausgabenwachstum in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung fällt die grösste Zusatzlast bei den Kantonen an.

Grafik: Gesundheitsausgaben von 2010 bis 2019 und im Referenzszenario in % des BIP

In der mittleren bis langen Frist sind die Gesundheitsausgaben nicht nur getrieben durch den demografischen Wandel, sondern auch durch nicht-demografische Faktoren wie das steigende Einkommen, den medizinischen Fortschritt und die Baumolsche Kostenkrankheit. Die Projektionen legen zudem nahe, dass die Langzeitpflege von einem stärkeren Kostenwachstum betroffen sein wird als das restliche Gesundheitswesen. In der Langzeitpflege ist insbesondere die voranschreitende Alterung der Bevölkerung ein bedeutender Kostentreiber.

Die Corona-Pandemie verdeutlichte, wie wichtig ein widerstandsfähiges Gesundheitssystem ist und dass unerwartet stark wachsende Gesundheitsausgaben die öffentlichen Finanzen belasten können. Die Projektionen zeigen jedoch, dass die coronabedingten Gesundheitsausgaben die öffentlichen Haushalte und die obligatorische Krankenpflegeversicherung nur kurzfristig belasten und längerfristig nur einen relativ geringen Einfluss haben dürften.

In einem Politikszenario werden ausserdem in Anlehnung an den Vorschlag des Bundesrates die Auswirkungen von Kostenzielen diskutiert. Das Politikszenario zeigt illustrativ, dass damit grosse Einsparungen bei der obligatorischen Krankenpflegeversicherung und den öffentlichen Haushalten möglich sind.

Die Ausgabenprojektionen für das Gesundheitswesen basieren auf den rund alle 4 Jahre aktualisierten Langfristperspektiven für die öffentlichen Finanzen in der Schweiz und sind zuletzt im Jahr 2017 erschienen. Es sind keine Prognosen, sondern eine Fortschreibung langfristiger Trends und sind daher mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Die Ausgabenprojektionen sollen den wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf im Gesundheitswesen verdeutlichen.

Working Paper «Ausgabenprojektionen für das Gesundheitswesen bis 2050: Alterung und Coronakris (PDF, 2 MB, 25.07.2022)»  

Bild: Shutterstock

Letzte Änderung 26.07.2022

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